Naturstein bohren: So begegnen Sie diesem Material am besten

Naturstein bohren
Naturstein bohren

Erfahren Sie hier, wie es mir bei meinem Praxistest zum Naturstein bohren ergangen ist.

Ein Bohrloch in Beton oder Holz ist eine verhältnismäßig einfache Angelegenheit. Sie müssen zwar einiges beachten und gewisse Vorkehrungen treffen aber alles in allem ist es doch relativ einfach, diese Materialien zu durchbohren. Bei Natursteinen kann dies manchmal anders sein. Daher habe ich in diesem Beitrag alles Wichtige zum Naturstein bohren zusammengefasst.

Generelles zu Natursteinen

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei Naturstein um ein sehr hartes Material, wie das eben bei Steinen so üblich ist. Es handelt sich aber nicht um ein künstlich hergestelltes, hartes Produkt (wie beispielsweise Beton) sondern um eine Form, die auch in der Natur vorkommt.

Typische Oberfläche eines Natursteins – sehr inhomogen und rau.

Bekannte Natursteine sind zum Beispiel Sandstein, Granit oder auch Marmor. Jeder dieser Steine ist vom Aufbau her anders.

Zum Beispiel ist der Granit ein Naturstein, der schichtweise aufgebaut ist. Der Versuch, diesen mit einem Schlagbohrer zu durchtrennen, endet oft im Absprengen einer oder mehrerer einzelner Schichten. Der Stein ist dann kaputt.

Typischer schichtweiser Aufbau bei einem Naturstein. Das erhöht die Gefahr des Absplitterns bzw. Steinbruch.

Bei manchen Natursteinen ist es daher ratsamer, diese erst gar nicht zu durchbohren. Sie benötigen generell einen guten und speziellen Bohrer, damit ein Loch in einem Naturstein auch gelingt.

Welcher Bohrer ist der richtige für Naturstein?

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Als Bohrer für Naturstein eignet sich in aller Regel ein Diamantbohrer*. Dieser unterscheidet sich von einem herkömmlichen Bohrkopf dadurch, dass der einen Diamantsplitter-Besatz am vorderen Ende aufweist. Innen ist so ein Bohrer bei größeren Durchmessern in aller Regel auch hohl (Hohlborkrone), sodass nicht der gesamte Durchmesser gebohrt wird, sondern nur der Rand. Es bleibt also ein innerer Kern stehen.

Man kann Naturstein natürlich auch mit einem Steinbohrer bohren. Hier habe ich zum Beispiel ein Loch in einen kleinen Stein gebohrt. Ich empfehle allerdings, dass Sie sich um einen speziellen Steinbohrer mit spezieller Beschichtung und Härte umsehen, so wie ich das auch getan habe (siehe Anleitung unten). Meistens ist ein kleiner Bohrdurchmesser von Vorteil und besser zu bewältigen.

Ein Diamantbohrer hat bei guter Behandlung eine lange Lebensdauer, ist meistens natürlich dadurch auch etwas teurer.

Beim Bohren ist es zudem wichtig, dass entweder mit Kühlflüssigkeit oder Wasser gekühlt wird, weil beim Bohren in sehr harten Materialien der Bohrkopf sehr heiß werden kann (und wird).

Naturstein bohren – so gehen Sie dabei vor

Im Anschluss eine kleine Schritt-für-Schritt Anleitung und ein paar allgemeine Tipps, wie Sie am besten in Naturstein bohren. Ich habe es mit zwei unterschiedlichen Bohrern probiert:

Schritt 1 – Markieren der Bohrstelle und Befestigen der Steine

Im ersten Schritt markieren Sie die Bohrstelle. Das sollten Sie so unauffällig, wie möglich machen. Ich empfehle dazu einen Punkt mit einem schwarzen Filzstift zu machen. Bei einem Kreuz haben Sie manchmal das Problem, dass Teile der Markierung später zu sehen sind – das macht sich auf einem Naturstein nicht besonders gut.

Der Mindestabstand zu den Außenkanten sollte zumindest drei Zentimeter betragen, damit der Stein nicht ausbricht.

Zudem sollte der Stein auch fest fixiert werden. Das machen Sie am besten mit einer oder mehreren Schraubzwingen. Um den Stein nicht zu verletzen, empfehle ich ein Stück Holz oder ein Stück Karton zwischen Zwinge und Stein zu legen.

Naturstein befestigen

Die Befestigung klappt mit zwei Schraubzwingen sehr gut.

Schritt 2 – Bohrer einspannen und Sicherheitsbekleidung anlegen

Spannen Sie nun den Bohrer in Ihre Bohrmaschine ein. Was diese betrifft, sollte es schon eine halbwegs leistungsstarke sein, mit der Sie auch durch ein hartes Material, wie dem Naturstein kommen.

Auch das Anlegen einer ausreichenden Sicherheitsausrüstung ist meiner Ansicht nach ein wichtiger Punkt. Zumindest die Schutzbrille sollten Sie aufsetzen. Weiters ist das verstauen von langen Haaren und das Tragen von Handschuhen wichtig. Gegebenenfalls können Ohrstöpsel das Arbeiten auch erleichtern. Das Tragen einer Atemschutzmaske ist ebenfalls nicht verkehrt.

Schritt 3 – Loch in Naturstein Bohren

Eines vorweg – besonders wertvolle Stücke sollten Sie womöglich besser in die Hände eines Steinmetzes legen, bevor Sie selbst durch unsachgemäßes Bohren den Stein absplittern oder zur Gänze zerstören. Ich habe für meinen Test zwei verschiedene Bohrer verwendet. Beginnen wir mit dem Allrounder:

Versuch 1: Alpen Profi Multicut ATM5

Für meinen ersten Versuch habe ich den Alpen Profi Multicut ATM5* verwendet:

Alpen Profi Multicut ATM5

Das erste Loch in den Naturstein habe ich mit dem Alpen Profi Multicut ATM5 gebohrt.

Setzen Sie die Bohrer an und bohren Sie erst ganz langsam, bis Sie den Ansatz gefunden haben und nicht mehr verrutschen können. Es wäre auch gut, wenn Sie die entweder aufstützen oder mit einer Ständerbohrmaschine bohren. Dann bleiben Sie nämlich gerade. Das freihändige Bohren ganz ohne Hilfe kann dazu führen, dass Sie schräg kommen.

Multibohrer Naturstein bohren 6 mm

Das erste Loch ist ein 6 mm Bohrloch geworden.

Achten Sie auf eine nicht zu hohe Drehzahl. Schätzungsweise 1.500 Umdrehungen pro Minute sollten ausreichend sein, um den Naturstein bohren zu können. Später, wenn das Loch ausreichend tief ist, kann man auch das Schlagbohren zur Hilfe nehmen. Aber Vorsicht: Es kann ganz leicht passieren, dass dadurch der Stein zerbricht. Das sollten Sie immer im Hinterkopf behalten.

Vor dem Bohren und immer wieder dazwischen geben Sie Kühlwasser bei, denn der Bohrer kann und wird sehr heiß werden.

Naturstein Öl kühlen

Zwischendurch den Bohrer sowie das Bohrloch mit Kühlflüssigkeit (Öl oder Wasser) behandeln.

Tipp: Nehmen Sie jeden Zentimeter den Bohrer aus dem Bohrloch und säubern Sie das Bohrloch. So kommt es zu weniger Reibung durch abgetragenes Material und der Bohrfortschritt fällt leichter.

Säubern Sie das Bohrloch regelmäßig.

So können Sie dann wieder weiter bohren.

Um ein Abplatzen an der Unterseite zu verhindern, empfiehlt es sich, unter dem Stein eine Holzplatte zu positionieren, in die Sie hineinbohren.

Wenn das Bohrloch fertig ist, säubern Sie das Bohrloch.

Versuch 2: Alpen Profi Multicut ATM5

Für meinen zweiten Versuch habe ich mir ein ganz ähnliches Bohrerset besorgt nämlich das Alpen Prof Granit PG 5*.

Alpen Profi Granit PG 5

Das Alpen Profi Granit PG 5 habe ich für Versuch Nummer 2 verwendet.

Wie der Name schon sagt, ist es natürlich in erster Linie für Granit geeignet – ich habe es aber für einen anderen, herkömmlichen Naturstein verwendet:

Granitbohrer Naturstein bohren

Für meinen zweiten Versuch habe ich einen 10 mm Bohrer benutzt – also einen deutlich größeren Durchmesser.

Die Vorgangsweise ist exakt die selbe. Da Sie es mit einem 10 mm Bohrer zu tun haben, ist natürlich das Kühlen und eine regelmäßige Bohrpause noch wichtiger, als bei einem Ø 6 mm oder kleiner.

Mit Kühlen, absaugen und Pausen habe ich etwa 10 Minuten gebraucht, bis der Bohrer durch war.

Naturstein bohren senkrecht

Halten Sie den Bohrer immer Senkrecht – es sei denn, Sie möchten absichtlich ein schräges Loch bohren. Das ist dann auch entsprechend schwieriger.

Tipp: Wenn es aus der Bohrstelle raucht sollten Sie sofort aufhören zu bohren und den Bohrer heraus nehmen. Oft ist es dann aber ohnehin schon zu spät und der Bohrkopf hinüber.

Beim Bohren wird jede Menge Bohrschlamm von unten herauf befördert.

Nach beiden Bohrungen hat sich folgendes Bild ergeben:

Naturstein bohren Ergebnis

Beide Bohrer haben gehalten, was ich mir versprochen habe – ein Loch in einen Naturstein zu bekommen.

Das Ergebnis der Bohrungen war erfreulich und der Test ist gut verlaufen. Beide Bohrer haben es geschafft, ohne extreme Anstrengungen ein Loch in Naturstein zu bohren. Das meiner Ansicht nach wichtigste Die regelmäßige Kühlung der Bohrstelle und des Bohrers und manchmal eine kleine Pause einlegen.

FAQ – wichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Naturstein bohren

Im Folgenden habe ich noch ein paar Fragen zum Naturstein bohren zusammengefasst:

Warum ist ein Diamantbohrer für Natursteine erforderlich?

Ein Diamantbohrer besticht durch hohe Widerstandsfähigkeit und eine lange Lebensdauer. Er ist daher für harte Materialien, wie Stein und auch Beton bestens geeignet – und somit auch für Natursteine.

Kann man Natursteine auch mit einem Steinbohrer durchlöchern?

In aller Regel ist auch das gut möglich. Das habe ich oben gezeigt. Wichtig sind aber auch eine ausreichende und regelmäßige Kühlung während dem Bohren.

Wie sieht es mit dem Schlagbohren aus?

Das ist eine zweischneidige Sache: Es besteht dabei immer die Gefahr, dass der Stein aufgrund der Hammerstöße bricht. Ich habe es bei meinem Versuch probiert und es ist alles gut gegangen. Hier kommt es auf die Dicke des Steins und das jeweilige Material an. Wenn es nicht sein muss, probieren Sie es erst gar nicht.

Welcher Bohrer ist zu empfehlen?

Ein Diamantbohrer* ist mit Sicherheit eine gute Wahl – aber auch sehr kostspielig. Wie oben ersichtlich, geht es auch zum Beispiel mit dem Multicut-Set von Alpen. Der Vorteil: Sie haben mehrer Bohrer und können diese auch für andere Materialien nutzen:

Bohrer / Hartmetall Mehrzweckbohrer Set, 5-tlg. |...*
  • Anwendung: Fliesen, Mauerwerk, Metall, Holz und Kunststoff

Letzte Aktualisierung: 10.11.2019, Bilder von amazon.de